Wer spielt schon Schach in Brandenburg!? – Teil 2

Jetzt kommt das lang ersehnte Update! 😉

Mit großer Freude durfte ich feststellen, dass mein Artikel vom letzten Jahr eine große Reichweite hatte. Sogar in NRW wurde ich bei Turnieren von fremden Spielern darauf angesprochen, glücklicherweise auch von Spielerinnen und Spielern aus Brandenburg. Ich bin beeindruckt, dass es so viele gelesen haben und möchte mich erst einmal bei allen Lesern für eure Unterstützung bedanken.

Hier ist noch einmal Link zum Artikel, den ich vor circa einem Jahr geschrieben habe und worauf ich mich auch teilweise in den folgenden Abschnitten beziehe:

https://www.jugendschach-in-brandenburg.de/aktuell/wer-spielt-schon-schach-in-brandenburg

Um zu beginnen, es ist nicht wirklich besser geworden in Brandenburg, aber zum Glück interessiert dieses noch einige Leute (wie Sie) und dafür möchte ich mich zuallererst bedanken. Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben! 🙂

Ein sehr negatives Signal im Bereich des Jugendsports war im Jahr 2016, dass Brandenburg als wirklich einziger Landesverband NICHT bei den Deutschen Jugend-Ländermeisterschaften vertreten war. Das muss man einfach mal so sagen…

http://www.deutsche-schachjugend.de/2016/dlm/

Damit ergab der Titel „Wer spielt schon Schach in Brandenburg!?“ leider wirklich einen Sinn… 🙁

Und hier darf es keine Ausreden geben! Schließlich haben die anderen Landesverbände es ja auch geschafft, ihre Spielerinnen und Spieler zur Teilnahme zu motivieren. Sicherlich gibt es hierzu diverse Meinungen, aber im Kern ist doch klar, dass man sich darüber nicht freuen kann und man mal an allen Stellen im Landesverband darüber nachdenken sollte, wieso es nicht geklappt hat – hier sollten keine Ausreden erfunden werden. Wir sollten langsam einen Gegenangriff starten, wie es im Schach so schön klappt…

Letztes Jahr war ein Anlass für den Artikel die LEM 2016 und in diesem Jahr möchte ich zur LEM 2017 nicht so viel sagen, außer viel Erfolg! Wirklich verbessert hat sich nicht viel und die Leistung bzw. das Niveau wird in 2017 weiter sinken, wenn nichts getan wird. Einen wirklichen Top-Spieler bzw. eine Top-Spielerin haben wir auch weiterhin nicht in Brandenburg, auch wenn wir sicherlich gute Spieler und Spielerinnen haben, aber deutschlandweit gesehen ist das nichts… Eventuell kann man noch die jüngeren Altersklassen nennen und hier sticht der 2006 geborene Tyron Milare besonders hervor, der mit einer DWZ von 1750 ins Jahr gestartet ist. Eventuell kann man noch Oliver Röhr (Jahrgang 2005) mit 1647 DWZ am Jahresanfang bzw. Tobias Röhr (Jahrgang 2003) mit einer DWZ von 1880 und den 15-jährigen Maximilian Paul Mätzkow mit 2080 DWZ nennen.

Bei den Mädchen sieht es leider nicht besser aus, hier kann man höchstens Gina Celina Gehrke (Jahrgang 2005) mit einer DWZ von 1373 zum Jahrestart hervorheben.

Ich habe mich jetzt nur auf die reine DWZ bzw. Elo bezogen, aber super „Top“ im nationalen Vergleich ist hier keiner bis auf Tyron Milare.

Er war zum Jahresanfang auf Platz 5 bei den u11 in Deutschland von der DWZ her, doch das Feld ist sehr eng, sodass er momentan wieder auf dem 14. Platz ist (so schnell kann es gehen). Von der Elo her (1812) ist er aber zumindest noch diesen Monat auf Platz 2 in der u11 und zu all diesen Spitzenleistungen möchte ich ihm herzlich gratulieren 🙂

https://chess-db.com/public/execute.jsp?age=11&sex=a&countries=GER

Und hier fängt das nächste Problem an. In diesen eben genannten Altersklassen kann man noch sehr schnell und sehr viel lernen. Dementsprechend lässt sich viel DWZ und Elo gewinnen mit der richtigen Förderung und den richtigen Maßnahmen. Diese genannten Spieler und Spielerinnen und auch weitere Jugendliche sind die Leistungsbringer von morgen – genauer gesagt in 3 bis 7 Jahren sind diese u18! Wie man eben sehen konnte, haben wir momentan nur in diesen jüngeren Altersklassen nahezu „Top-Leute“ und diese müssen richtig gefördert werden, damit man eben auch mal einen FM-Titel in der u18 hat oder sogar mehr.

Hier sollte es ein entsprechendes Trainingsangebot und mehr Unterstützung vom LSBB geben. Ich hoffe das Kadertraining wird trotz der vielen Hürden auch besser und ich habe schon den einen oder anderen Vorschlag formuliert, siehe z. B. https://www.jugendschach-in-brandenburg.de/aktuell/landesstuetzpunkt/kader-2017

Weitere Vorschläge und Ideen, wie man ein effizienteres Kadertraining auf die Beine stellen kann, sind immer gerne gesehen. Wo ein Wille, da ein Weg 🙂

Auch die Vereine sind hier besonders gefragt, solche Talente zu erkennen und zu fördern. Wer nahezu täglich selbstständig trainiert und regelmäßig Input bekommt, kann sehr viel erreichen. Auch 10 bis 30 Minuten am Tag reichen schon, wenn man diese Zeit effizient nutzt.

Um wieder neue Ideen zu bekommen und in die richtige Richtung gelenkt zu werden, braucht man aber gute Trainer, die einen diesen Input regelmäßig geben…Wie auch immer, es muss insgesamt bezüglich des Trainings etwas mehr getan werden.

Ich wünsche jetzt schon allen Teilnehmenden der LEM viel Erfolg und gute Spiele. Vielleicht melden sich ja in Zukunft noch ein paar mehr an – auch in der neuen Einzelmeisterschaft u25. Diese neue Altersklasse ist ein gutes Zeichen für die ältere Jugend und sollte von jedem genutzt werden, der die Zeit hat trotz Schule, Beruf, Studium und Ausbildung.

Nun gibt es noch ein paar aktuelle Zahlen, ähnlich wie im letzten Artikel. Allerdings hat sich nicht so viel verändert im Vergleich zu den anderen Landesverbänden. Wir sind vom Alter her nun zwei Jahre weiter, obwohl der letzte Artikel vor ca. einem Jahr geschrieben wurde, denn der DSB nimmt immer das Geburtsjahr. Und von Ende 2015 zu Anfang 2017 sind es zwei Jahre im Bezug auf die Altersklassen.

Ein paar Zahlen zum Schach im Jugendbereich:

Es gibt 40 Spielerinnen u18 mit einer DWZ, dem gegenüber stehen 209 Jungs. Somit haben die Mädchen einen Anteil von immerhin rund 16,1%. Das ist wenig, aber im Vergleich zu allen deutschen Spielerinnen und Spielern viel, wo der geschätzte Anteil bei ca. 6-8% liegt.

Lobend zu erwähnen ist, dass dieser Anteil beim Artikel Ende 2015 bei nur 12,8% lag, eine Steigerung von über 3% also 🙂 Wir sind ja momentan am Jahresanfang und es gibt jetzt schon 3 Mädchen mehr, die Schach spielen und hoffentlich werden das bis zum Jahresende noch mehr.

Erschreckend ist, dass der Anteil der Jungs momentan um 43 geringer ist. Aber hoffentlich treten noch einige Spielerinnen und Spieler im Verlaufe des Jahres ein bzw. erhalten eine DWZ, damit die Anzahl der Jugendschachspieler/innen nicht zurückgeht. Hier sollte viel Werbung seitens der Vereine gemacht werden, um Mädchen und Jungs in den Verein zu holen.

Zusätzlich muss Frauenschach unbedingt weiter gefördert werden. Man sieht ja, dass es bergauf gehen kann und 3% sind 3% 🙂 Ich hoffe wir alle bekommen das hin und machen unseren Schachsport populärer!

Eine weitere Untersuchung wäre noch, wie groß die Anzahl der Schachspielenden in Brandenburg ist und welche Rolle der Jugendanteil dabei spielt. Was hat sich hier verändert?

Momentan gibt es 1.238 Spielerinnen und Spieler in Brandenburg, die eine DWZ haben. Ende 2015 waren es noch 1.320, aber wir sind ja am Jahresanfang… Grundsätzlich sieht man aber, dass wir noch mindestens über 82 Spieler/innen bis zum Jahresende brauchen, damit unser Sport nicht noch weiter an den Rand gedrückt wird!

Wir wissen ja „Springer am Rand bringt Kummer und Schand“ 😉

Jugendliche u18 gibt es momentan 249. Somit hat die u18 einen Anteil von 20,1%. Ende 2015 waren es noch 21,9%…

Ich denke, man sieht es deutlich, dass wir alle in diesem Jahr noch einiges vorhaben und unbedingt neue Mitglieder für unsere Vereine gewinnen sollten, damit unser Schachsport in Brandenburg nicht ausstirbt. Ich hoffe, man kann den Titel dieser Artikelreihe irgendwann einmal verändern 😉

Nun rufe ich gerne wieder alle auf, sich ehrenamtlich zu betätigen und zu helfen. Alle Vereine sind gefragt, die Schulen, alle Erwachsenen, helfende Eltern, aktive Jugendliche, der gesamte LSBB und die Liste kann man noch fortführen…

Wir alle sind schließlich davon betroffen! Um den Rückgang des Schachsports in Brandenburg zu verhindern, brauchen wir viel Arbeit mit guten Ergebnissen, Ehrenamtliche und Engagement. Ich bedanke mich bei ALLEN, die mithelfen und bisher viel Engagement zeigten und geholfen haben. Denkt immer daran: „Viele machen Einiges“ ist besser als „Einer macht Vieles“!

Dankeschön an alle Leserinnen und Leser, die sich für Schach in Brandenburg interessieren, durch Euch lebt der Sport!

Ich wünsche allen ein erfolgreiches Jahr 2017 und viel Spaß und Freude. Zusammen werden wir stark sein und Brandenburg wieder deutschlandweit bekannter im Schachsport machen. Lasst uns ein wenig aktiver spielen und unseren schachlichen Gegenangriff starten!!! 🙂

Über den Autor:

Felix Teichert ist 19 Jahre alt und spielt seit ca. 4 Jahren im Verein für die Leegebrucher Schachfreunde. 
Er absolviert parallel eine Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration, ein Fachberaterzertifikat von 
Siemens und ein duales Studium Wirtschaftsinformatik, wobei die Theorie in Paderborn stattfindet. 
Deshalb ist er auch seit über einem Jahr im Verein SK Blauer Springer Paderborn und sammelt schachliche 
Erfahrungen in NRW. Er hat momentan eine DWZ von 1903 und hat bisher zweimal an den Offenen Deutschen Jugend-
meisterschaften u25 teilgenommen. Bei der DVM 2016 u20w ist er als Trainer zur Unterstützung für die Leegebrucher
mitgefahren. In den nächsten Jahren möchte er noch mindestens eine DWZ über 2000 bekommen und eventuell sogar 
Fidemeister werden.


Quellen (Stand 22.01.2017):

alle Spieler/innen u18 Brandenburg:

http://www.schachbund.de/verband/D0000.html?toplist=950&sex=&age_from=0&age_to=18

u18 Spielerinnen Brandenburg:

http://www.schachbund.de/verband/D0000.html?toplist=500&sex=f&age_from=0&age_to=18

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